
Bild: Telefónica Germany
Es ist bezeichnend: Der Mobilfunk-Discounter
Fonic will seinen Kunden ab diesen Sommerferien Telefonate aus dem Urlaubsland nach Deutschland zu den gleichen Preisen wie für Handy-Telefonate innerhalb Deutschlands ermöglichen. Mit dem neuen Dienst Fonic Call Home können die Kunden des Prepaid-Anbieters aus 15 beliebten Urlaubsländern wie Griechenland, Italien, Spanien und auch die USA für 9 Cent pro Minute in das deutsche Festnetz oder für 29 Cent pro Minute in ein deutsches Mobilfunknetz telefonieren. Allerdings nicht per Handy, sondern über ein Festnetz-Telefon am Reiseort und eine 0800-Rufnummer, die per SMS auf das Handy zugesandt wird. Beglichen werden die Kosten für die Callthrough-Telefonate über das Guthaben des Prepaid-Kontos.
Wie der neue Dienst für Telefonate aus dem Ausland in die Heimat funktioniert, habe ich in einer News zu Fonic Call Home auf teltarif.de ausführlicher beschrieben. Reist der Fonic-Kunde künftig in eines der 15 ausgewählten Länder (neben den bereits genannten sind dies noch Frankreich, Großbritannien, Irland, Kanada, Kroatien, Niederlande, Polen, Portugal, Schweiz, Spanien und Zypern), erhält er bei Grenzübertritt per SMS-Mitteilung einen Hinweis auf das neue Angebot und die im jeweiligen Reiseland zur Verfügung stehende 0800-Nummer. Wählt der Fonic-Kunde zum ersten Mal diese 0800-Rufnummer von einem Festnetz-Telefon an und gibt dann über die Tastatur des Festnetz-Telefons seine zur Identifizierung benötigte eigene Handy-Rufnummer ein, erhält er seinen auch bei künftigen Telefonaten zu benutzenden persönlichen Zugangscode für Fonic Call Home. Erst nach Eingabe dieses Zugangscodes kann die Rufnummer des gewünschten Gesprächspartners angewählt und die Telefonverbindung aufgebaut werden.
Klingt kompliziert, ist auch kompliziert
Klingt kompliziert, ist auch kompliziert. Und es gibt einfachere oder günstigere Alternativen für den Anruf der Angehörigen zu Hause.
Wer bereit ist, diese ganze Nummerneingabe-Prozedur mitzumachen, findet in Calling Cards eine etwas günstigere Alternative für Telefonate aus dem Urlaubsland in die Heimat. Solche Telefonkarten finden sich in der Regel am Reiseort in jedem besser sortierten Kiosk. Zudem sind die lokalen 0800-Nummern nicht von jedem Festnetz-Telefon aus kostenlos anwählbar. Beispielsweise kann es durchaus sein, dass der Betreiber des ausgesuchten Urlaubs-Hotels seinen Kunden Tagesgebühren für die Nutzung des Zimmertelefons berechnet.
Noch günstiger geht es dagegen per Smartphone oder Laptop mit Headset an frei zugänglichen Hotspots mit VoIP-Diensten wie beispielsweise Skype. Hier telefonieren die Nutzer desselben Dienstes in der Regel kostenlos miteinander. Der Auslandsreisende muss dafür allerdings an seinem Aufenthaltsort einen kostenlos oder zu einem niedrigen Pauschalpreis nutzbaren Hotspot für den Breitband-Internetzugang finden, der auch eine ausreichend stabile Verbindung bietet.
Und für kurze Anrufe aus einem Mitgliedsstaat der EU nach Hause, um der Familie schnell mitzuteilen, dass man sicher am Reiseort angekommen sei, bietet sich auch das Handy an. Ab morgen betragen die von der EU verordneten Höchstentgelte für grenzüberschreitende Handy-Telefonate innerhalb der EU 41 Cent pro Minute für abgehende und 13 Cent pro Minute für eingehende Verbindungen. Teurer wird es allerdings bei Anrufen in die Heimat aus den USA. Hier zahlen Fonic-Kunden 1,29 Euro pro Minute. In Kanada bietet Fonic seinen Kunden keine abgehenden, sondern nur eingehende Handy-Telefonate an.
Kaum Wettbewerb beim International Roaming
Die von der EU vorgeschriebenen Großhandelspreise für Roaming-Minuten betragen immer noch ein Vielfaches der Minuten herkömmlicher Mobilfunkgespräche. Die Mobilfunknetzbetreiber erzielen so einerseits hohe Gewinnspannen beim Roaming. Die bisherige Regelung der Roaming-Vorleistungen und die Höhe der entsprechenden Entgelte verhindern aber andererseits, dass Mobilfunkprovider Roaming-Minuten en gros zu günstigen Konditionen einkaufen und die niedrigen Preise mit einem kleinen Aufschlag an ihre Kunden weitergeben. Es würde helfen, wenn im Bereich der Roaming-Vorleistungen – Mitnutzung eines fremden Netzes und Zustellung des Gesprächs zum gewünschten Anschluss – mehr Flexibilität und echter Wettbewerb herrschen würde. Die EU-Kommission spricht sich seit einiger Zeit für einen radikalen Schritt aus und will die Roaming-Aufschläge für grenzüberschreitende Handy-Telefonate von einem EU-Land ins andere ganz streichen.
Der Mutterkonzern von Fonic, Telefónica Germany (O2) könnte jetzt zumindest schon seinen Mobilfunk-Kunden kostengünstige Roaming-Telefonate in denjenigen Ländern anbieten, in denen das Unternehmen als Mobilfunkbetreiber auftritt. Das sind neben sechs euopäischen Ländern, Marokko, den USA und viele mittel- und südamerikanischen Staaten. Diese Lösung wäre auch nicht schwerer verständlich als die 15-Länder-Lösung für Fonic Call Home.
Mutterkonzern sind Callthrough-Nummern ein Dorn im Auge
Pikant an dem neuen Callthrough-Angebot von Fonic: Telefónica Germany sind solche über 0800- oder lokale Einwahlnummern realisierten Telefonservices eigentlich ein Dorn im Auge – zumindest wenn zu Hause die eigenen Kunden mit gebuchter Flatrate für Handy-Telefonate ins deutsche Festnetz diese Dienste nutzen. Verbindungen zu ausgewählten Rufnummern, hinter denen Telefonkonferenzen, Calling-Cards oder Voicechats stehen, werden den O2-Kunden inzwischen – das berichteten wir Ende vergangenen Jahres auf teltarif.de – trotz Sprach-Flatrate, Minutenpaket oder monatlichem Kostenlimit immer einzeln in Rechnung gestellt.