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John Strand: “Apple verliert seine Jungfräulichkeit”

August 29, 2011 Von: Björn Brodersen Kategorie: Analyse

John Strand von Strand Consult

John Strand | (c) Strand Consult

Er gilt als Querdenker und Verfechter des No-Frills-Modells. Das iPhone bezeichnet er als “schlimmsten Freund des Mobilfunkbetreibers”, die Presse als verführt und unkritisch, wenn es um das Apple-Handy geht. Ich habe mich gefragt, wie der dänische Marktforscher und Analyst John Strand den Rücktritt von Steve Jobs als CEO von Apple und seinen Nachfolger, den bisherigen COO Tim Cook, bewertet. Seine Prognose: Jobs Ablösung wiegt schwer für den Konzern, weil die Presse Apple künftig härter anfassen wird – “Apple wird seine Jungfräulichkeit in einer Reihe von Bereichen verlieren”.

Steve Jobs persönliche wesentliche Leistung liege weniger im Bereich der Produktentwicklung, sondern in der Vermarktung: Er habe um Apple herum eine Aura gebildet, die schützend wie Teflon wirke. “Die Presse liebt Jobs, sie liebt Apple und sie berichtet nicht negativ über Apple”, sagt John Strand. “Wenn Apple spricht, vergisst der große Teil der Journalisten, was Journalismus ist.” Kritische Fragen zum Unternehmen und zu den Produkten würden nicht gestellt und wenn doch, blieben sie von Apple unbeantwortet. Nach dem Abgang von Steve Jobs als der Unternehmensspitze würde sich die Gangart der Presse gegenüber Apple ändern und die Journalisten endlich wieder ihren Job machen.

Den gesamten Kommentar von John Strand zur Ablösung von Steve Jobs als Apple-Chef durch Tim Cook lest ihr auf Areamobile.de.

“Two More Things”: iPhone 5 und ein Billig-iPhone

August 19, 2011 Von: Björn Brodersen Kategorie: Meinung

iPhone 5

(c) Areamobile

Erwartungsgemäß ist es im kommenden Monat wieder soweit: Apple wird uns ein neues iPhone-Modell präsentieren – oder gleich zwei neue Smartphones. Die Spekulationen, dass Steve Jobs diesmal neben einem iPhone 5 auch noch ein “Billig-iPhone” aus dem Hut zaubern wird, halten sich hartnäckig. Für mein neues Editorial habe ich mich gefragt, ob und wie der Hersteller aus Cupertino von einem iPhone für das Mitteklasse- oder sogar Einsteigersegment profitieren könnte.

Apple hat zwar seit dem Start des ersten iPhone im Jahr 2007 den Smartphone-Markt revolutioniert und aus seiner Nische geholt, die Aufholjagd hat aber inzwischen aufgrund erstärkter Konkurrenz – vor allem durch die Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android – an Schwung verloren. Das Erfolgsrezept – Touchscreen-Smartphone mit leicht verständlicher und spielerisch einfach zu bedienender Benutzeroberfläche sowie Erweiterungsmöglichkeiten durch Apps – hat viele Nachahmer gefunden, inzwischen verliert Apple Anteile am weltweiten Smartphone-Markt – trotz des jüngsten Rekordquartals. Und mit der Allianz von Microsoft und Nokia erwächst Apple durch Windows Phone weitere ernst zu nehmende Konkurrenz.

Apple könnte so weiter machen wie bisher und seiner Innovationskraft vertrauen.Ob sich damit aber die Anleger des Aktienunternehmens, die ohnehin schon keine Dividende erhalten, zufrieden geben? Sie muss Apple mit ständig steigendem Umsatz und Gewinn und damit steigendem Wert der Unternehmensaktie zufriedenstellen. Und um weiterhin wachsen zu können, muss Apple neue Kundengruppen erschließen und eine breitere Kundenbasis schaffen – neue Kunden, die im Idealfall zu treuen Anhängern werden. Mit einem iPhone-Modell, das zu einem deutlich niedrigeren Kaufpreis als die bisherigen Apple-Handys angeboten wird, wäre dies ganz einfach möglich. Ein “Billig-iPhone” würde Apple neue Kundengruppen und neue Märkte erschließen.

Näher auf dieses Thema gehe ich in meinem neuesten Editorial ein.

Fonic Call Home: Prepaid-Discounter startet Callthrough-Dienst

June 30, 2011 Von: Björn Brodersen Kategorie: Analyse, Meinung

Fonic Call Home

Bild: Telefónica Germany

Es ist bezeichnend: Der Mobilfunk-Discounter Fonic will seinen Kunden ab diesen Sommerferien Telefonate aus dem Urlaubsland nach Deutschland zu den gleichen Preisen wie für Handy-Telefonate innerhalb Deutschlands ermöglichen. Mit dem neuen Dienst Fonic Call Home können die Kunden des Prepaid-Anbieters aus 15 beliebten Urlaubsländern wie Griechenland, Italien, Spanien und auch die USA für 9 Cent pro Minute in das deutsche Festnetz oder für 29 Cent pro Minute in ein deutsches Mobilfunknetz telefonieren. Allerdings nicht per Handy, sondern über ein Festnetz-Telefon am Reiseort und eine 0800-Rufnummer, die per SMS auf das Handy zugesandt wird. Beglichen werden die Kosten für die Callthrough-Telefonate über das Guthaben des Prepaid-Kontos.

Wie der neue Dienst für Telefonate aus dem Ausland in die Heimat funktioniert, habe ich in einer News zu Fonic Call Home auf teltarif.de ausführlicher beschrieben. Reist der Fonic-Kunde künftig in eines der 15 ausgewählten Länder (neben den bereits genannten sind dies noch Frankreich, Großbritannien, Irland, Kanada, Kroatien, Niederlande, Polen, Portugal, Schweiz, Spanien und Zypern), erhält er bei Grenzübertritt per SMS-Mitteilung einen Hinweis auf das neue Angebot und die im jeweiligen Reiseland zur Verfügung stehende 0800-Nummer. Wählt der Fonic-Kunde zum ersten Mal diese 0800-Rufnummer von einem Festnetz-Telefon an und gibt dann über die Tastatur des Festnetz-Telefons seine zur Identifizierung benötigte eigene Handy-Rufnummer ein, erhält er seinen auch bei künftigen Telefonaten zu benutzenden persönlichen Zugangscode für Fonic Call Home. Erst nach Eingabe dieses Zugangscodes kann die Rufnummer des gewünschten Gesprächspartners angewählt und die Telefonverbindung aufgebaut werden.

Klingt kompliziert, ist auch kompliziert

Klingt kompliziert, ist auch kompliziert. Und es gibt einfachere oder günstigere Alternativen für den Anruf der Angehörigen zu Hause.

Wer bereit ist, diese ganze Nummerneingabe-Prozedur mitzumachen, findet in Calling Cards eine etwas günstigere Alternative für Telefonate aus dem Urlaubsland in die Heimat. Solche Telefonkarten finden sich in der Regel am Reiseort in jedem besser sortierten Kiosk. Zudem sind die lokalen 0800-Nummern nicht von jedem Festnetz-Telefon aus kostenlos anwählbar. Beispielsweise kann es durchaus sein, dass der Betreiber des ausgesuchten Urlaubs-Hotels seinen Kunden Tagesgebühren für die Nutzung des Zimmertelefons berechnet.

Noch günstiger geht es dagegen per Smartphone oder Laptop mit Headset an frei zugänglichen Hotspots mit VoIP-Diensten wie beispielsweise Skype. Hier telefonieren die Nutzer desselben Dienstes in der Regel kostenlos miteinander. Der Auslandsreisende muss dafür allerdings an seinem Aufenthaltsort einen kostenlos oder zu einem niedrigen Pauschalpreis nutzbaren Hotspot für den Breitband-Internetzugang finden, der auch eine ausreichend stabile Verbindung bietet.

Und für kurze Anrufe aus einem Mitgliedsstaat der EU nach Hause, um der Familie schnell mitzuteilen, dass man sicher am Reiseort angekommen sei, bietet sich auch das Handy an. Ab morgen betragen die von der EU verordneten Höchstentgelte für grenzüberschreitende Handy-Telefonate innerhalb der EU 41 Cent pro Minute für abgehende und 13 Cent pro Minute für eingehende Verbindungen. Teurer wird es allerdings bei Anrufen in die Heimat aus den USA. Hier zahlen Fonic-Kunden 1,29 Euro pro Minute. In Kanada bietet Fonic seinen Kunden keine abgehenden, sondern nur eingehende Handy-Telefonate an.

Kaum Wettbewerb beim International Roaming

Die von der EU vorgeschriebenen Großhandelspreise für Roaming-Minuten betragen immer noch ein Vielfaches der Minuten herkömmlicher Mobilfunkgespräche. Die Mobilfunknetzbetreiber erzielen so einerseits hohe Gewinnspannen beim Roaming. Die bisherige Regelung der Roaming-Vorleistungen und die Höhe der entsprechenden Entgelte verhindern aber andererseits, dass Mobilfunkprovider Roaming-Minuten en gros zu günstigen Konditionen einkaufen und die niedrigen Preise mit einem kleinen Aufschlag an ihre Kunden weitergeben. Es würde helfen, wenn im Bereich der Roaming-Vorleistungen – Mitnutzung eines fremden Netzes und Zustellung des Gesprächs zum gewünschten Anschluss – mehr Flexibilität und echter Wettbewerb herrschen würde. Die EU-Kommission spricht sich seit einiger Zeit für einen radikalen Schritt aus und will die Roaming-Aufschläge für grenzüberschreitende Handy-Telefonate von einem EU-Land ins andere ganz streichen.

Der Mutterkonzern von Fonic, Telefónica Germany (O2) könnte jetzt zumindest schon seinen Mobilfunk-Kunden kostengünstige Roaming-Telefonate in denjenigen Ländern anbieten, in denen das Unternehmen als Mobilfunkbetreiber auftritt. Das sind neben sechs euopäischen Ländern, Marokko, den USA und viele mittel- und südamerikanischen Staaten. Diese Lösung wäre auch nicht schwerer verständlich als die 15-Länder-Lösung für Fonic Call Home.

Mutterkonzern sind Callthrough-Nummern ein Dorn im Auge

Pikant an dem neuen Callthrough-Angebot von Fonic: Telefónica Germany sind solche über 0800- oder lokale Einwahlnummern realisierten Telefonservices eigentlich ein Dorn im Auge – zumindest wenn zu Hause die eigenen Kunden mit gebuchter Flatrate für Handy-Telefonate ins deutsche Festnetz diese Dienste nutzen. Verbindungen zu ausgewählten Rufnummern, hinter denen Telefonkonferenzen, Calling-Cards oder Voicechats stehen, werden den O2-Kunden inzwischen – das berichteten wir Ende vergangenen Jahres auf teltarif.de – trotz Sprach-Flatrate, Minutenpaket oder monatlichem Kostenlimit immer einzeln in Rechnung gestellt.

Warum wir hier bloggen

May 01, 2011 Von: Björn Brodersen Kategorie: Über uns

Fern jedes Konkurrenzdenkens möchten wir diesen Blog zusammen betreiben und laden auch andere interessierte Autoren ein, hier Gastbeiträge zu veröffentlichen und sich an den Diskussionen zu beteiligen. Wir verstehen dabei die Seite als eine Art Spielwiese, in der wir andere Ansätze als bei unserer täglichen Redaktionsarbeit ausprobieren, neue Perspektiven einnehmen und persönliche Interessen einbringen können. Hier soll alles das erscheinen, was uns persönlich bewegt und umtreibt und doch keinen Platz in unserem regulären Arbeitsalltag hat.

Wir sind selbst gespannt, was hieraus wird.